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Das neptunische Gewerbe
Gutenberg war unter den frühen Buchdruckern des 19. Jahrhunderts als Schöpfer einer neuen Welt angesehen. 1440, als Jahr der Erfindung der
Gutenbergs, wurde im Buchdruckerkalender als »Jahr 1« geführt. Die Offizin, die Werkstatt der Buchdrucker wurde »Kunsttempel« genannt, seine Insassen waren die »Jünger Gutenbergs«.
Gutenberg mit kräftigem Bart war das Sinnbild einer Vatergestalt, aber auch wie auf alten Bildern ein Anklang an Moses. Es war üblich, in den
Druckereien Gutenberg-Büsten aufzustellen. Der klassische, auch heute noch entbotene, Gruß unter Buchdruckern ist »Gott grüß die Kunst«; während der Nazi-Zeit wurde mit »Heil Gutenberg« gegrüßt.
Der Gutenberg-Mythos führte zum Beibehalten älterer Buchdruckersitten wie das Gautschen, das ursprünglich aus der Papierherstellung kommt und das
Auspressen eines frisch gehobenen Büttenbogens zwischen zwei Filzen meint.
Gautschen war der Initiationsritus, der Geburt und Reinigung des neuen Gutenberg-Jüngers nach Beendigung der Lehrzeit darstellen sollte.
Das Gautschfest fand stets am Johannistage, dem 24. Juni, statt, obwohl nach kirchlicher Tradition an sich St. Henricus der Schutzpatron der
Buchdrucker war. Johannes Gutenberg und Johannes der Täufer wurden verglichen: Johannes der Täufer bereitete das Wirken Christi vor, Gutenberg das Wirken Luthers.
Das graphische Gewerbe wurde zu jener Zeit auch als »neptunisches Gewerbe« bezeichnet. Neptun ist einer der zwölf großen Götter Roms.
Die Übertragung auf das graphische Gewerbe kann auch damit zusammenhängen, daß unter uns Buchdrucker große Geistesgestalten, aber auch große
Säufer waren. nach oben
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