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Salomon Gessner (1730–1788)
Salomon Gessner, Buchdrucker, Buchhändler, Verleger, Maler, Radierer und Dichter, wurde als Sohn des Drucker-Verlegers Hans
Conrad Gessner (1696-1775) und der Esther Hirzel (1704-1766) an der Münstergasse in Zürich geboren. 1748 trat er als Lehrling in das Geschäft seines Vaters, in die Druckerei und Verlagsbuchhandlung
»David Gessner Gessner Gebrüder beim Schwanzen« ein. Ein Jahr später arbeitete er in der Spenerschen Buchhandlung in Berlin, aber schon 1750 kehrte er über Hamburg nach Zürich zurück.
In Zürich arbeitete er wieder bei seinem Vater, dann trat er in die Firma Conrad Orell & Cie über. Diese Druckerei
änderte daraufhin ihren Namen in »Orell, Gessner & Cie« und 1770 in »Orell, Gessner, Füssli & Cie«. Kurz nach dem Übertritt in die neue Firma heiratete Gessner Judith Heidegger (1736-1818).
Gessner, der in seiner Firma die Verlagsgeschäfte besorgte, beteiligte sich auch an der neugegründeten Porzellan- und FayenceFabrik im Schoren-Bendlikon am Zürichsee. Er gehörte auch zu den
Gründungs-Mitgliedern der »Helvetischen Gesellschaft«
1765 wurde er Großrat, 1767 Kleinrat, 1768 Obervogt zu Erlenbach, 1781 Sicher und Oberaufseher der Hochwaldungen der
Stadtrepublik Zürich. Von seinem dichterischen Werk wurden Teile in einundzwanzig Sprachen übersetzt.
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Paul Revere (1735–1818)
Paul Revere lernte Goldschmied und Buchdrucker, war als Graphiker und als Zahntechniker tätig.
In den aristokratischen Kreisen von Boston war Revere ein hochgeschätzter Silberschmied; außerdem gravierte er Druckplatten.
Mit seiner berühmtesten Druckvorlage, einer Darstellung des »Boston Massacre« von 1770, reihte er sich in die Spitze der antibritischen Propagandisten ein, und 1773 nahm er als Indianer verkleidet an der
Boston Tea Party teil. Sein aufstachelnder Stich »Boston Massacre bekannt (1770), der handkoloriert war, hauptsächlich rot, um die roten Uniformen der britischen Truppen und das Blut der gefallenen
Amerikaner hervorzuheben. Kunstkritiker (wahrscheinlich Engländer) bezeichnen dieses Agitprop-Bild als schlecht.
Bei Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges wurde Revere Nachrichtenkurier für die Bostoner Patrioten. Zusammen mit zwei anderen
Reitern unternahm er am 18. April 1775 den berühmten Kurierritt von Boston nach Concord, um die Einwohner von Concord vor den herannahenden britischen Truppen zu warnen.Paul Revere ist einer der
Nationalhelden der amerikanischen Revolution. Er entwarf und druckte das erste amerikanische Papiergeld. Seine früheste Arbeit als Drucker ist eine Bekanntmachung einer Vereinsversammlung aus dem Jahre
1761. Später druckte er die Illustrationen für die Zeitschrift »Royal American Magazine«. Nach dem Krieg, in dem er es bis zum Oberstleutnant brachte, arbeitete Revere wieder als Silberschmied und
Graveur. nach oben
Nikolaj Ivanovic Novikov (1744–1818)
Novikov wurde geboren in Avdot'ino (heute Tichvinskoe) bei Moskau und starb dort auch. Sein Vater war Gutsbesitzer; Novikov
diente 1762–1767 in der Garde und wurde 1767 Schriftführer in der Kommission zur Ausarbeitung eines neuen Gesetzbuches. 1769 trat er als Herausgeber der satirischen Wochenschrift »Truten« hervor, die
1770 (Katharina II. was not amused) verboten wurde. 1770 gab er die Zeitschrift »Pustomelja« und in den Jahren 1772/1773 die Zeitschrift »Zivopisec« heraus, 1774 den »Koselëk«. Novikov wurde 1775
Freimaurer und siedelte 1779 nach Moskau über.
Er übte, in Verbindung mit Freimaurer-Organisationen, eine vielseitige und erfolgreiche Tätigkeit als Verleger,
Druckereibesitzer und Buchhändler aus. 1792 wurde er im Zusammenhang mit dem Einschreiten Katharinas II. gegen die Freimaurer zu 15 Jahren Haft in der Festung Schlüsselburg verurteilt, kam aber schon
1796 wieder frei, zog sich aber auf sein Landgut zurück. Seine Bücher wurden zum großen Teil verbrannt. Novikov besitzt eine große Bedeutung für die russische Literatur, besonders für die russische Prosa
des 18. Jahrhunderts; er ist Herausgeber altrussischer Chroniken und des ersten russischen Schriftstellerlexikons (1772–1775).
Novikov wollte als Verleger »wahre« Aufklärung im russischen Bürgertum verbreiten. Gemeinsam mit Lomonossow strebte er an,
daß Bücher in allen Landesteilen Rußlands erhältlich sein sollen.
Da es ihn ärgerte, daß für manche Bücher unterschiedliche Preise verlangt wurden, vereinbarte er mit den Buchhändlern (die
zumeist Buchbinder waren), daß sie bei Abnahme einer bestimmten Anzahl aller in der Moskauer Universitätsdruckerei hergestellten Bücher einen Rabatt und zugleich einen Kredit auf zwölf Monate bekamen.
Novikov war der Leiter der Moskauer Universitätsdruckerei. Während seiner Direktionszeit stellt die Druckerei eine Vielzahl von Werken her einschließlich deren Übersetzungen aus dem griechischen oder
lateinischen. Die von ihm verlegten Bücher zeichnen sich durch keinerlei Luxus aus; mehr als eine Vignette auf dem Titelblatt wollte Novikov auch aus Kostengründen nicht haben. In mehreren Städten
eröffnete er eigene Buchhandlungen. Durch seine Verlegertätigkeit erhielten die staats- und universitätseigenen Druckereien große Druckaufträge. Seit 1783 betrieb er, als ein Gesetz Katharina II. dies
ermöglichte, in eigener Regie mehrere Druckbetriebe. Er beschränkte sich auf die Edition von Dokumenten aus der Geschichte Rußlands und auf die Übersetzung und dem Druck nichtrussischer
Autoren. nach oben
Giambattista Bodoni: »Der König der Schrift«
Giambattista Bodoni, Sohn eines Buchdruckers aus einer italienischen Buchdruckerfamilie, ging als Achtzehnjähriger aus seinem
piemontesischen Geburtsort Saluzzo nach Rom, wo er in der »Vatikanischen Offizin« zu einem geschickten Stempelschneider ausgebildet wurde. 1767 berief ihn der Marquis Telino an die Spitze der »Stamperia
reale«, die die Herzöge von Parma nach dem Muster der Pariser »Königlichen Druckerei« eingerichtet hatten.1768 wurde er von Herzog Ferdinand von Parma zum Leiter der Druckerei berufen. Anfänglich unter
dem Einfluß der Schriften und Typen von Pierre Simon Fourniers d.J. stehend, entwickelte Bodoni sehr frühzeitig sein eigenes Schriftenmaterial. 1771 erscheint sein erstes Schriftmusterbuch, »Saggio
tipografico di fregi e maiscula«. 1775 erscheint anläßlich einer Fürstenhochzeit ein in fünfundzwanzig verschiedenen Sprachen gedrucktes Buch »Epithalamia exoticus linguis reditta«.1785 druckt er die
»Ilias«.
1791erlaubt ihm der Herzog von Parma die Errichtung einer eigenen Druckerei, um ihn zu binden. 1793 erscheint eine
Prachtausgabe von Vergil. 1794 Tassos »Gerusalemme liberata« in drei Folianten. 1798 entwirft Bodoni eine Antiquaschrift mit starken Grund- und feinen Haarstrichen. 1806 druckt er das »Vaterunser« in 155
Sprachen. 1808 eine Ausgabe von Homer, die dem Napoleon gewidmet ist. 1812 wird der »Télémanque« von Fénelons gedruckt. nach oben
Mechitharisten-Kongregation
Die Geschichte beginnt in Kleinasien mit dem im anatolischen Sebaste (heute Sivas) 1676 geborenen Mechithar, ein Armenier,
der mit einer »Bildungsoffensive« gegen die Unterdrückung seines Volkes vorgehen will und nicht mehr mit Waffengewalt. Mechithar wird 1696 römisch-katholisch (die Armenier sind apostolisch-katholisch),
geht in ein Kloster, wird zum Priester geweiht und darf eine Kongregation zur Belehrung seiner Landsleute gründen. Nur eine kleine Gruppe, aber die osmanische Obrigkeit zwingt sie zur Flucht nach
Griechenland und weiter westwärts.
Nach dem Tod Mechithars im Jahre 1749 lösen sich einige der Ordensangehörigen vom Mutterhaus und gründeten im damals
habsburgischen Triest ein neues Kloster. Die österreichische Kaiserin Maria Theresia verleiht dem Orden das damals sehr seltene Druckprivileg. Einige der ersten Lettern und Maschinen, mit denen sie ihre
Drucktätigkeit begonnen hatten, konnten die Patres dann bei ihrer Flucht vor Napoleon aus Triest herausschmuggeln. Die heimatlosen »Adoptivsöhne der Jungfrau« gingen nach Wien, denn sie waren ja
mittlerweile österreichische Untertanen. So endete die Odyssee der Mechitharistenkongregation, die mehr als ein Jahrhundert zuvor in Konstantinopel begonnen hatte, 1810 in einem aufgelassenen
Kapuzinerkloster in der Wiener Vorstadt. Die damals eher provisorische Unterkunft für die Asylanten aus Triest wurde später neu aufgebaut und ist der Kongregation bis heute Heimstätte geblieben.
1811 eröffnen die Patres in Wien mit den geretteten Lettern und Maschinen ihre Druckerei, und wenig später begannen sie ihre
Missionstätigkeit im Nahen Osten und in der Türkei. Seit dem Jahr 1847 erhielt der Orden dafür auch finanzielle Unterstützung vom österreichischen Staat. Allerdings nicht ganz uneigennützig, denn man
hatte den Wert der Patres als »Brückenbauer« beziehungsweise österreichisch geprägte Kulturbotschafter zwischen Orient und Okzident erkannt. So sah man es besonders gern, daß die Mechitharisten nicht nur
Missionsstationen, sondern bald auch Schulen gründeten, in denen auch Deutsch und österreichische Geschichte gelehrt wurden. Neben den Gymnasien der Mechitharisten in Konstantinopel und Aydin gab es eine
Schule in Smyrna (Izmir), mit einem besonders großen Einzugsgebiet: »Bis weit ins Innere nach Agora, Caesarea und Koniah«, so ein österreichischer Bericht aus dem Jahr 1880,
»wird die religiöse und damit die österreichisch-ungarische Cultur getragen, denn wo ein Wiener Mechitharist weilt, dort
wird für den Kaiser gut deutsch gesprochen, und dort tönt Volkshymne aus jugendlichen Kehlen.« nach oben
Nikola Karastoyanov (1778-1874)
Geboren wurde Karastoyanov in Samakov. Seit 1828 druckte er auf einer kleinen Handpresse fromme Druckschriften und Traktate
als Blockbücher für die Pilger der Klosters von Rila. Um 1836 kaufte er Schriftenmaterial in Budapest und begann mit dem Druck mit beweglichen Lettern. Er mußte dies geheim machen, da er zu diesem
Zeitpunkt noch keine Druckerlaubnis besaß für die Herstellung christlicher Schriften. Sein erstes Buch erschien 1846 und trug den Titel »Kurze Beschreibung der zwanzig heiligen Klöster im Heiligen
Wald« nach oben
Joakim Krcovski (gestorben um 1820)
Lehrer und Priester in Ost-Mazedonien. Er druckte fünf Schriften mit eigener Presse mit religiösen Inhalt im
ostmazedonischen Dialekt, mit starker moralisch-didaktischer Tendenz und einer Verurteilung der ausschweifenden Feierlichkeiten und des Luxus. In seinen Texten wird das Leben des mazedonischen
Volkes am Anfang des 19. Jahrhunderts wiedergegeben; einige seiner Druck-Schriften wurden mehrmals nachgedruckt.
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Thomas De La Rue (1793-1866)
Als siebtes Kind von Eleazar und Rachel de la Rue wurde Thomas de la Rue in eine Familie hineingeboren, die sich ihren
kärglichen Lebensunterhalt in der Landwirtschaft verdiente. Heute ist die Thomas-de-la Rue-Gesellschaft die größte kommerzielle Banknoten- und Wertpapierdruckerei der Welt und wird an der Börse
gehandelt.
Aus Geldmangel mußten die de la Rue-Kinder schon früh arbeiten gehen, so daß Thomas de la Rue im Alter von zehn Jahren bei
einem Drucker in der Lehre ging und an der Produktion von Guernseys erster gedruckten Zeitung, der »La Gazette de l’Ile de Guernsey« arbeitete. 1811 beendete er seine Lehrzeit und fand sofort eine Stelle
als Redakteur einer neuen Publikation: »Le Publiciste«. Aber der ehrgeizige 19jährige zerstritt sich mit dem Zeitungsbesitzer und machte sich selbständig. Mit viel Geschick beschaffte er sich finanzielle
Unterstützung, brachte aus England die neueste Technologie herüber, und in weniger als zwei Monaten war der »Le Miroir Politique« auf dem Markt. Kurze Zeit später erkannte Thomas jedoch die Grenzen einer
Insel, auf der es nun vier Zeitungen gab, die alle in französischer Sprache erschienen. »C’est trop peut-etre pour cette ile« (es ist vielleicht zuviel für diese Insel) und ging 1816 nach London. Obwohl
das Drucken sein Metier war, begann er mit der Anfertigung der damals modernen Strohhüte.
Bald darauf stellte er auf neue Produktbereiche wie Spielkarten, Buchbinden und das Prägen von Leder um. 1832 gab Wilhelm IV.
ihm die königliche Patenturkunde für die Herstellung von Spielkarten nach einem Druckverfahren, das durch neuartige Druckfarben und durch Versiegeln gekennzeichnet war. 1840 wendet er bei der Herstellung
von Spielkartenkarton das Streichen von Papier und Karton mit Barytweiß an.
Im Zuge der umwälzenden Veränderungen in der Nachrichtenübermittlung durch die Penny Post stellte die Firma eine Maschine
her, die Briefumschläge in Massenproduktion fertigte. Ihr folgte eine Umschlag-Falt-Maschine, die später noch dahingehend verbessert wurde, daß sie die Klappe gummierte. Dann kam die Einführung der
Briefmarken, an der sich die Firma 1853 beteiligte, und 1860 stellte sie ihre ersten Banknoten her. Der Auftrag für £ 5, 2, 1 und 10 Schilling-Scheine kam aus Mauritius.
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Mihaly Tancsics (1799–1884)
Ein Bauernsozialist. Geboren in Acsteszér in Ungarn. Bis zum Alter von zwanzig Jahren arbeitete er als Leibeigener. Dann
wurde er Weber-Lehrling, was ihm auch nicht behagte: Er geht auf Wanderschaft und lernt in Frankreich und England die dortige Arbeiterbewegung kennen. Er schreibt für verschiedene Zeitungen Artikel über
die Leibeigenschaft. Da er außerdem auch Pamphlete für die Freilassung der Leibeigenen selbst druckt, wandert er ins Gefängnis, aber die Revolution von 1848 befreit ihn. Tancsics wird als einziger
(ehemaliger) Leibeigener und Arbeiter ins Unterhaus Ungarns gewählt.
In seiner Zeitschrift »Munkások ujsága« (»Arbeiter-Zeitung«) fordert er, daß Großgrundbesitz von mehr als 2000 ha enteignet
werden müsse und zusammen mit Kronland den landlosen Bauern gegeben werden solle. Die Revolution fällt den Kartätschen Habsburgs zum Opfer und Tancsics geht in Untergrund und Emigration, bis 1857 eine
General-Amnestie erfolgt. Aber schon 1860 wird er verhaftet, weil er eine anti-österreichische Arbeiter-Demonstration organisiert hatte. Für 15 Jahre soll er ins Gefängnis, aber 1867 wird er – fast blind
– vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Er gründet eine neue Arbeiterzeitung, »Goldene Trompete«, eine sehr radikale Zeitung, welche für die Rechte der Arbeiter kämpft. 1869 wird er wieder ins Parlament
gewählt.
1884 stirbt er in Budapest – keine seiner revolutionären Forderungen war bis dahin erfüllt worden.
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Benjamin Franklin 1706–1790
Josia Franklin wanderte um 1685 mit seiner Familie von Ecton in Mittelengland nach Boston in Nordamerika aus, wo er sich als
Kerzenmacher und Seifensieder eine Existenz gründete. Sein Sohn Benjamin, in Boston geboren, mußte, als er zehn Jahre alt war, in der elterlichen Kerzenmacherei mitarbeiten, aber ihm widerstrebte diese
eintönige Tätigkeit. Sein Vater machte daher den Vorschlag, er solle in der Druckerei seines Halbbruders James eine Lehre als Setzer und Drucker beginnen. James hatte sein Handwerk in London gelernt
und von dort eine Druckpresse mitgebracht. Im Jahre 1718 begann Benjamin seine Ausbildung.
Drei Jahre später gaben die Brüder eine Zeitung heraus: »The New-England Courant«. Dies war die vierte Zeitung Nordamerikas
und sie erschien jeweils am Montag. Benjamin arbeitete an der Zeitung mit: Tagsüber trug er sie aus und nachts verfaßte er Artikel. Wegen seiner liberalen Haltung erregte der »New England Courant«
häufig das Mißfallen der Kolonialbehörden. 1722 wurde James Franklin wegen eines Artikels, der besonders großen Anstoß erregt hatte, für einen Monat inhaftiert. Außerdem wurde ihm die Herausgabe der
Zeitung untersagt, so daß das Blatt eine Weile unter Benjamin Franklins Namen erschien. Aus mancherlei Gründen kam es immer wieder zwischen beiden zum Streit. Benjamin verließ daher seinen Bruder, fuhr
nach Philadelphia und fand dort Arbeit beim Buchdrucker Samuel Keimer. Franklin war ein tüchtiger Drucker und wurde bald ein bekannter Mann in der Stadt. Er lernte Deborah Read, die später seine Frau
wurde, kennen. Die Schwiegermutter von Benjamin Franklin zögerte lange, bis sie ihrer Tochter erlaubte, Franklin zu heiraten, da er seinerzeit Drucker war. Immer wieder sagte sie sorgenvoll: »Es gibt
in den Vereinigten Staaten bereits zwei Druckereien. Glaubst du, mein liebes Kind, daß unser Land auch noch eine dritte ausreichend beschäftigen kann?«
Der englische Gouverneur Sir William Keith schlug Franklin die Eröffnung einer eigenen Druckerei vor und versprach, er wolle
für ihn, anläßlich einer Reise nach London, dort einen Kredit besorgen und alles einkaufen, was für die Druckerei notwendig sei. Aber es blieb beim Versprechen.
Nach Wochen vergeblichen Wartens kaufte Franklin von seinen Ersparnissen eine Seereise nach England in der Hoffnung, den
Gouverneur in London zu finden.
In London findet Franklin Arbeit als Setzer in der Druckerei und Schriftgießerei von Samuel Palmer, einer der besten
Druckereien in London. Nach einem Jahr, Ende 1725, wechselte er als Setzer zu James Watts Druckerei Wild’s Court, einem Betrieb mit über 50 Beschäftigten. In dieser Zeit bekam er Kontakt mit William
Caslon und erhielt Einblick in dessen Druckerei und in die schwere Kunst der Schriftgießerei. Ihn plagte aber das Heimweh und im Oktober 1726 betrat er nach anstrengender Seereise in Philadelphia wieder
amerikanischen Boden. Er fand Arbeit bei seinem alten Chef Keimer, konstruierte dort eine Notenpresse und stellte Tonmatrizen und Gießformen her, wodurch er zum ersten Schriftgießer Amerikas wurde.
Zwei Jahre später hatte Franklin so viel Geld gespart, daß er eine eigene Druckerei, zunächst mit einer gebrauchten
Druckpresse, eröffnen konnte. Man nimmt an, daß dies jene alte Presse war, die Samuel Green einst von Stephan Day, dem ersten Drucker Nordamerikas, übernommen und bis 1692 benutzt hatte. Die Presse steht
heute im Museum der Harvard Universität.
Im Jahre 1729 kaufte Franklin eine schlechtgehende Zeitung auf und brachte sie unter dem neuen Namen »Saturday Evening Post«
mit großem Erfolg heraus. Alle Texte schrieb er selbst. Weitere Zeitungen kamen nach und nach in seinen Besitz und bald war er der größte Papierverbraucher im Lande.
Er war auch der erste, der eine Zeitung in deutscher Sprache herausgab, die »Philadelphia Zeitung«. 1736 erhielt Franklin den
ersten politischen Auftrag: er wurde Sekretär im Landtag Pennsylvaniens und später zum ersten Generalpostmeister von Pennsylvanien und Canada.
Franklin war ein überzeugter Verfechter des Einheitsgedankens der vereinigten Kolonien in Nordamerika, und 1727 gründete er
»The Junto«, einen Club, dem Handwerker, Geschäftsleute und Beamte angehörten und der durch allerlei Aktivitäten, auch durch den Druck von Flugblättern und deren Verbreitung Verständnis für einen
Staatenbund wecken wollte. In diesem Sinne brachte Franklin in der »Pennsylvania Gazette« eine von ihm gezeichnete Karikatur, in der eine zerhackte Schlange die Wehrlosigkeit der einzelnen Staaten von
Amerika symbolisieren sollte. Im Alter von 42 Jahren, also 1748, verkaufte er einen großen Teil seines Besitzes an David Hall und gründete mit ihm die Gesellschaft Franklin & Hall.
Dadurch blieb ihm jetzt mehr Zeit, um sich seinen Erfindungen widmen zu können. Er entdeckte u. a. den Elektro-Magnetismus
und erfand 1752 den Blitzableiter. In dieser Zeit hatte er regen Briefkontakt mit bekannten Druckern jener Zeit wie z.B. Caslon, Baskerville, Fournier, Didot, Bodoni und anderen mehr.
Franklins politische Tätigkeit im Ausland begann 1757. Er reiste damals nach England als Repräsentant der Kolonie
Pennsylvanien und später auch für andere Kolonien. Zu Hause wurden ihm viele Ehrungen zuteil und er gehörte später zum Kreis derjenigen, die Texte für die Unabhängigkeitserklärung ausarbeiteten. Endlich,
am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung in Philadelphia feierlich unterzeichnet. Auch Franklingehörte zu den Unterzeichnern. Eine neue Nation war entstanden und am 14. September 1778 wurde
Franklin zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich ernannt.
Das Jahr 1783 brachte die Krönung von Franklins Lebenswerk, die Unterzeichnung des Friedensvertrages mit England. Im gleichen
Jahr unterzeichnete er einen Freundschaftsvertrag mit Schweden.
Nach neun Jahren der Abwesenheit kehrte Franklin 1785, 79 Jahre alt, nach Philadelphia zurück. Er wurde begeistert empfangen
und am 29.Oktober des gleichen Jahres zum Präsidenten von Pennsylvanien gewählt.
In seiner Grabinschrift,die Franklin selbst entwarf, heißt es
»Hier liegt der Leib Benjamins Franklins, eines Buchdruckers (gleich dem Deckel eines alten Buches, aus welchem der
Inhalt herausgenommen und der seiner Schrift und Vergoldung beraubt ist), eine Speise für die Würmer; doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern (wie er glaubt) einst erscheinen in einer
schöneren, neuen Ausgabe, durchgesehen und verbessert vom Verfasser.«
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Denis Diderot 1713–1784
Schriftsetzer, Schriftsteller, Philosoph, Enzyklopädist, Kunst- und Literaturtheoretiker
Seinen Lebensunterhalt bestritt nach Denis Diderot 1734 zehn Jahre lang als Privatlehrer, Auftragsschriftsteller und
Übersetzer. In seinem ersten Werk von Bedeutung, das 1746 ohne Autorenangabe unter dem Titel »Pensées philosophiques« erschien, erläutert er seine Philosophie.
1747 wurde er mit der Bearbeitung einer französischen Übersetzung der englischen Cyclopaedia von Ephraim Chambers beauftragt.
Mit seinem Mitherausgeber, dem Mathematiker Jean Le Rond d’Alembert, und rund 200 Mitarbeitern realisierte Diderot die 35bändige »Encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des
metiers, par une société de gens de lettres«, kurz Encyclopédie. Mit der Unterstützung berühmter zeitgenössischer Schriftsteller wie Voltaire und Montesquieu setzte der Skeptiker und Rationalist
Diderot die »Encyclopédie« als wirksame Waffe gegen die kirchliche Obrigkeit, den damals vorherrschenden Aberglauben und Konservatismus sowie gegen die noch stark vom Feudalismus geprägte
Gesellschaftsordnung ein. Dadurch erregten die Herausgeber den Unwillen von Kirche und König. 1759 unterband der »Conseil du Roi« die Verbreitung der seit 1751 erschienenen ersten zehn Bände und verbot
die Fortsetzung des Werkes.
Diderot führte seine Arbeit dennoch weiter und ließ heimlich weitere Bände drucken. 1765 lagen siebzehn Bände mit Text
vor, die in der Folgezeit bis 1780 illustriert und mit Ergänzungen versehen wurden.
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Pierre Augustin Caron de Beaumarchais 1732–1799
Wie sein Vater erlernte er den Beruf des Uhrmachers und übte diesen am Hofe Ludwigs XV. aus. 1756 konnte er durch Heirat
mit der Witwe eines Hofbeamten seinem ursprünglichen Namen Caron den Zusatz »Beaumarchais« anfügen. Er erwarb käuflich das Amt als Sekretär des Königs und war damit zur Führung eines Adelsprädikats
berechtigt. Als Sekretär des Königs war in Geheimangelegenheiten für Ludwig XV. und Ludwig XVI. tätig. Zu seinen zahlreichen Missionen gehörte auch der Verkauf von Waffen an die englischen
Kolonien in Amerika während des Unabhängigkeitskrieges.
Sein Ruhm als Literat gründet sich auf den beiden Komödien »Le barbier de Seville ou la précaution inutile« (1775) und »La
folle journée ou le mariage de Figaro« (1784), in denen er die herrschende Klasse Frankreichs ironisch porträtierte und damit den sich verstärkenden Ressentiments gegen den Adel in den Jahren vor der
Französischen Revolution Ausdruck verlieh. Die beiden Lustspiele erzielten sehr großen Erfolg, nachdem 1784 das auf Anordnung Ludwigs XVI. ausgesprochene Verbot einer öffentlichen Aufführung von
»Figaros Hochzeit« in Frankreich aufgehoben worden war. Zwischendurch betrieb Beaumarchais eine Druckerei.
Er war nacheinander Uhrmacher, Harfenvirtuose, Komödiendichter, Großunternehmer, politischer Geheimagent des Königs und wurde
aus edlen Motiven Buchdrucker. Für eine Voltaire-Ausgabe stellte er sein Vermögen bereit. 160.000 Franken zahlte er dem Pariser Verleger Panckoucke für die Abtretung sämtlicher Manuskripte und
Veröffentlichungsrechte, die diesem von Voltaire für eine geplante Gesamtausgabe überlassen worden waren und für weitere 150.000 Franken erwarb er die gesamten hinterlassenen Typenbestände des
englischen Druckers Baskerville von dessen Witwe. Wegen der Zensur in Frankreich wandte sich Beaumarchais an den Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach: »Was verlangen wir? Einen Winkel der Erde, wo
wir sicher sein können vor voreiligen Zensuren und einer unsere Arbeit störenden Inquisition.« 1780 erteilt der Markgraf »gnädigts die Erlaubniß zur Aufrichtung einer Druckerey und Schriftgießerey
Etablissement in Unserer Stadt Kehl besonders zur Druckung derer Schriften des Voltaire mit baskevilleschen Lettern.«
Um die Subskribentenzahl für die Voltaire-Ausgabe zu erhöhen, beteiligte er die Käufer an einer Lotterie, bei der man bis zu
24.000 Livres gewinnen konnte. Joachim Heinrich Campe schrieb über die Druckerei, die er 1785 besichtigte: »Eine so ansehnliche Druckerei als diese ist, hat, soviel ich weiß, noch nirgends existiert.«
Eine Luxusausgabe für die Zarin Katharina die Große auf Pergament gedruckt, sollte 40.000 Livres kosten, aber daraus wurde nichts, weil Katharina ihren Schriftwechsel mit Voltaire nicht veröffentlicht
sehen wollte, denn Beaumarchais war für sie ein »Sturmvogel der Revolution«
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Aleksandr Nikolaevic Radiscev 1747–1802
Ein russischer Schriftsteller, geboren wahrscheinlich in Moskau, gestorben 1802 Petersburg; Vater Gutsbesitzer, 1762–1766 im
Petersburger Pagenkorps, 1766–1771 Studium in Leipzig (u. a. bei Gellert), angeregt besonders von Voltaire, Diderot, Rousseau, begeisterte er sich für die französischen radikalen Ideen. Nach der
Rückkehr Beamter; hatte mit dem 1790 anonym herausgegebenen Buch »Putesestvie iz Petersburga v Moskvu«, gedruckt in einer eigenen Druckerei zur Herstellung von Flugblättern, großen Erfolg, zog sich aber
dadurch die Ungunst der Regierung zu; wurde zum Tode verurteilt (so einfach ging das), zu 10jähriger Verbannung nach Sibirien begnadigt, kehrte 1796 zurück, wurde 1801 Mitglied der Kommission zur
Ausarbeitung neuer Gesetze. Tod durch Selbstmord.
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William Blake 1757-1827
William Blake wurde in London geboren und ging in die »Henry Pars Drawing School«, bevor er eine Lehre bei James Basire
(1772–1779), einem berühmten Kupferstecher, begann. Danach ging Blake in die »St. Pauls Zeichenschule« und auf die »Royal Academy of Arts«. 1783 wurden seine frühen Gedichte »Poetica Sketches«
(»schlicht und volkshaft«) erstmals durch seinen Freund und Gönner Flaxman gedruckt. Ein Jahr später (1784) eröffnete er in London eine Druckerei, in der er seine Stiche herstellte und verkaufte, und
außerdem erteilte er Zeichenunterricht. Mit großen Hoffnungen auf eine bessere berufliche Zukunft ging er 1800 nach Sussex, die sich aber nicht erfüllten; 1803 zog er deshalb nach London zurück. Um die
Jahrhundertwende illustrierte er zahlreiche Werke verstorbener und aktueller Autoren wie Dante, Vergil, Chaucer und das »Buch Hiob«, die von anderer Druckereien hergestellt wurden. Daneben schuf er
Zeichnungen für seine eigenen Dichtungen, da er die Auffassung vertrat, zwischen Wort und Bild müsse eine Einheit bestehen. Nach einer nicht sehr erfolgreichen Ausstellung seiner Arbeiten im Jahr 1809
begann er, aus der Realität zu flüchten: Seine Gedichte müsse er auf »Befehl seiner Geister« schreiben. Als Dichter war er auch deshalb den englischen Mystikern nahe. Viele Dinge waren für ihn nicht
Realität, sondern Symbole, im Kreatürlichen sah er eine höhere, dahinter verborgene Wirklichkeit. Das führte zu einer eigenen von ihm entwickelten Mythologie über Wolke und Wind, über Käfer und Erde.
Vier Kräfte wirkten – so Blake in seinem Weltbildsystem: »Urizen« das Gesetz bzw. der aufklärende Verstand, »Luvah« die geistige Liebe, die sich auch in der Dichtkunst ausspricht, »Tharmas« die
körperliche Liebe (er war seit 1782 mit Catherine Boucher glücklich verheiratet) und »Urthona« der Instinkt. Seine insgesamt revolutionäre Haltung in der Dichtkunst und in der Malerei spiegelte sich
wider in seiner politischen Auffassung als radikaler Anhänger der französischen Revolution. nach oben
Pierre-Jean de Béranger 1780–1857
Béranger ist der Sohn eines armen Handwerkers und arbeitete als Kellner und Schriftsetzer. 1800–1821 ist er Sekretär an der
Sorbonne und wird auch in dieser Zeit von Lucien Bonaparte protegiert.
Nach anfänglich unpolitischen Liedern veröffentlicht Béranger mit großem Erfolg politische Chansons, deren Beliebtheit auch
dadurch stieg, daß er 1821 und 1828 wegen der Texte ins Gefängnis gehen mußte. 1848 wird Béranger Abgeordneter. Unter dem Bürgerkönig Louis Philippe lehnt er öffentliche Ämter ab. Napoléon III. veranlaßt
bei seinem Tod 1857 ein öffentliches Staatsbegräbnis.
Béranger war der populärste Liederdichter des 19.Jahrhunderts in Frankreich. Mit sentimentalen, reimgewandten und vielfach
rührenden Liedern beeinflußte er die französische Bourgeoisie. Er lehnte die Restauration ab und hielt die Erinnerung an Napoléon als Volkshelden wach. In diesem Zusammenhang ist maßgeblich beteiligt an
der späteren Verherrlichung Napoléons.
1816 und 1821 veröffentlicht er »Chansons morales et autres«, 1825 die »Chansons nouvelles«, 1828 »Chansons inédites suivies
de procès«, 1833 »Chansons nouvelles et dernieres«, 1834–1851 »Dernières chansons«
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Vilhelm Fredrik Palmblad 1788–1852
Ein schwedischer Schriftsteller, geboren in Liljestad/Östergötland, gestorben in Uppsala; Sohn eines Kronvogts, 1806 Studium
in Uppsala; wandelte die literarische. Gesellschaft »Musis Amici« zu »Auroraförbundet«, dem ersten Kreis schwedischer Romantiker, um; übernahm 1810 die Akademische Buchdruckerei; 1815 promoviert er zum
Dr. phil., 1822 wird er Dozent für Geschichte, 1835 ist er Professor für Griechisch. Er unterstützte als Rezensent, Polemiker und Druckereibesitzer die jungen Romantiker, gab ihre Zeitschriften heraus
und veröffentlichte darin seine Kritiken und Novellen. Bedeutender Kritiker, wenig dogmatisch, geistvoll und mit gutmütigem Humor. Seine Novellen, von Tieck, Novalis und Friedrich Schlegel beeinflußt,
sind unreif und mangelhaft. Im Alter schrieb Palmblad realistische und humorvolle Romane von historischem Weitblick. Er war Mitarbeiter am schwedischen biographischen Lexikon und an deutschen und
schwedischen Zeitschriften. Er übersetzte Tieck (Volkssagen), Aischylos und Sophokles.
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Michael Faraday 1791–1867
Während Faraday bei einem Buchbinder in London in die Lehre ging, las er wissenschaftliche Bücher und experimentierte mit
Elektrizität. Im Jahr 1812 besuchte er Vorlesungen des Chemikers Sir Humphry Davy. der ihn als Assistent in seinem chemischen Labor an der Royal Institution einstellte. Faraday wurde 1824 in die Royal
Society gewählt und im darauffolgenden Jahr zum Direktor des dortigen Laboratoriums ernannt. 1833 folgte er Davy als Professor für Chemie nach. Zwei Jahre später erhielt er eine Pension von
300 Pfund Sterling pro Jahr auf Lebenszeit.
Faradays erste Forschungen lagen im Bereich der Chemie. Er arbeitete u.a. an der Druckverflüssigung von Chlor, der
Herstellung von Hexachlorethan und entdeckte 1824 das Benzol.
Jene Forschungen, mit denen Faraday zum bekanntesten experimentellen Forscher seiner Tage wurde, lagen jedoch auf dem Gebiet
der Elektrizität und des Magnetismus. Im Jahr 1821 stellte er fest, daß ein Blitzableiter unter elektrischem Strom ein magnetisches Feld aufbaut. 1831 entdeckte Faraday die elektromagnetische
Induktion. In den 1830er Jahren untersuchte er das Phänomen der Elektrolyse und entdeckte zwei grundlegende elektrochemische Gesetze: Die Stoffmenge, die bei der Elektrolyse an den Elektroden
abgeschieden wird, ist proportional zur Stromstärke und zu ihrem Äquivalentgewicht.
Faraday wies die Existenz des Diamagnetismus nach und stellte außerdem fest, daß ein starkes magnetisches Feld die Kraft
besitzt, die Polarisationsebene des Lichtes in Glas zu drehen.
Honoré de Balzac 1799–1850
Balzac, eigentlich Honoré Balssa, wurde in Tours geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Von 1818 bis 1821
studierte er Jura in Paris, entschied sich jedoch nach seiner Zulassung als Anwalt für eine literarische Laufbahn. Seine ersten Versuche als Dramatiker und Erzähler fanden indessen kaum Beachtung, und
Unternehmungen als Verleger und Druckereibesitzer endeten 1827 im Konkurs. Die daraus resultierende Schuldenlast beeinträchtigte ihn finanziell für den Rest seines Lebens.
1829 errang Balzac einen ersten literarischen Erfolg mit dem Roman »Les Chouans«. Fortan entstand in einem Schaffensrausch,
der in der Weltliteratur kaum eine Parallele aufweist, ein breitangelegtes Romanwerk. Innerhalb von 20 Jahren verfaßte er fast 100 Romane sowie diverse Erzählungen, Dramen und Essays.
Das Hauptwerk von Balzac ist der Romanzyklus der »Comédie humaine«. Ziel war ein komplettes Panorama der französischen
Gesellschaft von der Revolution bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In einer 1842 verfaßten Einführung umriß der Autor die philosophischen Grundlagen des Unternehmens, die auf Theorien der
Naturwissenschaftler Jean Baptiste de Lamarck und Étienne Geoffroy Saint-Hilaire fußten. Grundgedanke war die Hypothese, das sich Menschentypen analog zum Tierreich in Gattungen einteilen lassen. Diese
plante Balzac in 150 Romanen gültig zu beschreiben.
Balzac war nicht nur zu Lebzeiten ein enorm populärer Schriftsteller, sondern wirkte in mancher Hinsicht auch als Vorbild auf
spätere Generationen französischer Romanautoren. Mit seinem Ansatz wurde er zum Vorläufer der Naturalisten.
Der Drucker Séchard aus Balsacs »Verlorenen Illusionen«:
»Die Qualität, die Qualität! ruft der aus. Was Iiegt mir an der Qualität. Sollen doch der Marquis und die anderen die
Qualität für sich behalten! Für mich sind die Taler die Qualität.«
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Joseph-Marie Jacquard (1752–1834)
Nach seiner Ausbildung zum Buchbinder und Schriftgießer begann Jacquard, sich für die Seidenweberei in seiner Heimatstadt zu
interessieren. Zwanzig Jahre lang versuchte er, die Webstühle zu mechanisieren, wobei er fast sein ganzes Vermögen verlor. Schließlich erfand er ein Lochkartensystem zur Steuerung auch der
kompliziertesten Muster, mit dem diese vollautomatisch gewebt werden konnten. Schon zehn Jahre später hatte sich sein programmiertes Webverfahren allgemein durchgesetzt und der Textilindustrie einen
solch großen Aufschwung gebracht, daß ihm die wohlhabenden Textilindustriellen von Lyon schon zu Lebzeiten ein Denkmal setzten. 1820 erhält er für seine Erfindung das Kreuz der Ehrenlegion.
Eine wütende Volksmenge in Lyon hätte Jacquard jedoch vorher wegen seiner Erfindung des lochbandgesteuerten Muster-Webstuhls fast
ersäuft; Seine Erfindung führt zum Aufkommen einer weiteren, neuen Tätigkeit: Dem Werfen von sabots, Holzschuhen, in laufende Maschinen, um diese zu zerstören.
Samuel Finley Breese Morse (1791-1872)
Wer in Massachusetts geboren wurde, ging zum Yale College, macht dann eine Buchhändlerlehre und wendet sich der Malerei zu. So hat’s
jedenfalls Morse getan. Morse wird bekannt als Bildhauer und Porträtmaler und mitbegründet 1825 die »National Academy of Design« in New York City. 1832 wird er Professor für Zeichenkunst. 1833 beginnt
er, sich für chemische und elektrische Experimente zu
interessieren und gleichzeitig mit der Entwicklung des ersten brauchbaren elektromagnetischen Schreibtelegraphen. 1836 wird’s ihm patentiert, europäische Patente erlangt trotz Bemühungen nicht. In diesem Jahr entwickelt er das Morsealphabet, dessen Binärcode lange Zeit fast ausschließlich für die Telegraphie verwendet wurde. Der US-Kongreß bewilligt Gelder und 1844 wird die erste Nachricht zwischen Washington D.C. und Baltimore übermittelt.
Johann Gottfried Seume (1763–1810)
Er war ein armer Bauernsohn; ging auf ein Gymnasium in Leipzig und studiert anschließend Theologie (auch in Leipzig), bricht
aber das Studium ab. 1781 auf einer Parisreise von hessischen Soldaten- Werbern aufgegriffen, den von Landgraf Friedrich II. an England verkauften Truppen eingereiht und nach USA und Kanada
verschifft. 1783 bei der Rückkehr in Bremen desertiert er, fällt aber preußischen Werbern in die Hände. Zweimal versucht er, aus Emden zu fliehen, schließlich erhält er Urlaub auf Kaution, die er
abverdient. 1787
wird Seume Privatsprachlehrer in Leipzig, daneben juristische und philologische Studien, 1792 wird er Magister und Hofmeister, 1793 geht Seume als Sekretär des russischen Generals Igelström nach Warschau, bei der polnischen Revolution ist er russischer Leutnant. 1796 wieder Sprachlehrer in Leipzig,
dann Korrektor bei Göschen in Grimma. Machte 1801/1802 seinen berühmten Spaziergang nach Syrakus, 1805 eine Reise nach Rußland, Finnland, Schweden. Am Lebensabend arm und krank;
stirbt er bei einem Kuraufenthalt.
Seume ist Verfasser kulturhistorischer
wichtiger Memoiren und Reiseschilderungen in klarer, präziser und sachlicher Prosa unter besonderer Berücksichtigung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse fremder Länder. Vorläufer Postls und Gerstäckers. Seumes Eintreten für eine politisch-kämpferische Literatur in der aufklärerischen Tradition blieb ohne Resonanz.
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