|
Miklós Kis Misztotfalusi (1650–1702)
Miklós Kis wurde geboren in Alsö-Mistótfalu. Mit 27 Jahren verließ er ein benachbartes Theologisches Seminar und ging als Lehrer
nach Fogaras. Es gelang ihm, zur Weiterbildung in die Niederlande zu gehen, wo er zur Finanzierung seines Studiums (Philosophie und reformierte Theologie) als Korrektor bei Daniel Elsevier in Amsterdam
den Druck der ungarisch-sprachigen Bibel für die reformierte Kirche überwachte. Sein Freund Pápai Páriz Ferenc empfiehlt ihm, seinem Land als Drucker zu dienen, denn Priester wären in Ungarn genug.
1680 geht Kis bei Janszoon Blaeu in die »Lehre«; bei Dirk Voskens lernte er Schriftgravieren und Schriftgießen, wofür er 200 Gulden zahlen mußte.Im Jahre 1683 richtete er sich in Amsterdam eine
eigene Werkstatt ein, und er stand schon bald im Ruf eines anerkannten, bescheiden lebenden, Schriftschneiders. Er schnitt und druckte das erste grusinische Alphabet (für den König von Georgien), und
lieferte seine Schriftzeichen an viele Druckereien in Europa (z.B. für den Großherzog der Toskana; Papst Innozenz XI. bestellte bei ihm Lettern für die Vatikanische Druckerei). Das damit
verdiente Geld wurde für den Druck der Károli-Bibel investiert. Im Jahre 1685 übersetzte und druckte er diese Bibel in einem handlichen Format; gefolgt vom Neuen Testament und einem Psalmbuch (1687).
1689 verläßt er die Niederlande und will über Polen nach Ungarn reisen; er wird in Polen jedoch als Häretiker eingesperrt und
kann nur unter Verlust seiner mitgeführten Bibeln und Güter fliehen. 1693 gründete er einen Druckerei in Koloszvár, wo er seine Arbeiten fortsetzte. 1696 druckte er die Psalmenübersetzungen von
Albert Szenczi Molnár und 1687 das Neue Testament. In Kolozsvár übernahm er die Leitung einer kirchlichen Druckerei, die er in den folgenden Jahren ausbaute und modernisierte. Von ihm sind 84
Publikationen bekannt. Außer den hier genannten Arbeiten ist besonders seine in Koloszvár vollendete »Rationatio de Ortographia« (1697) bekannt.
Als Sprachgelehrter verbesserte er die Sprache und die Orthographie der Bibel, was zu starken Anfeindungen führte; letztlich mußte er
seine Ansichten widerrufen.
Nach seinem Tod kauft die ungarische Kirche seine Druckerei und die Schrifttypen.
nach oben
Francisco Ximenez (1666–nach 1721)
In Chichicastenango in Guatemala findet der Dominikanerpater Francisco Ximenez das auf wunderbare Weise der Zerstörung entgangene Buch
der Quiché-Maya, das »Popol Vuh«, in dem die Schöpfungslegenden der Maya aufgeschrieben sind: Wie es den Göttern mißlang, Menschen aus Lehm und aus Holz zu schaffen, und schließlich Kucumatz, der
Herr des Himmels, aus Maisbrei Balam Quitze, den ersten Mann, und seine Frau Caha Paluna formte.
nach oben
Ibrahim Müteferriká (1674–1775)
Ibrahim Müteferriká (der christliche Name ist unbekannt) wurde um 1674 in Klausenburg in Siebenbürgen geboren und war nach eigenen
Angaben Kalvinist. Er wollte ursprünglich Geistlicher werden, geriet aber 1693 in türkische Gefangenschaft und kam dadurch nach Istanbul.
Müteferriká ist ein Beamtendtitel, der meist mit »Hoffurier« übersetzt wird, bezeichnet aber mehr die Gehaltsklasse eines Beamten mit Sonderaufträgen am osmanischen Hof. Die »dergah-i-ali müteferrikalary«, zu denen Ibrahim gehörte, waren diejenigen Personen, die als Inhaber eines »gendikli zi’amet«, eines privilegierten Lehens, nur dann zum Kriegsdienst verpflichtet waren, wenn der Großwesir selbst sich an die Spitze des Heeres stellte. Ibrahim wurde nach seinem Übertritt in den Islam in ein Beamtenverhältnis übernommen. 1715 überbrachte er Prinz Eugen ein Schreiben der »Hohen Pforte« und hielt sich bei dieser Gelegenheit vier Monate in Wien auf. 1716 nahm er an dem Feldzug gegen Österreich teil und wurde 1717 Dolmetscher im Gebiet von Belgrad. 1718 wurde er zum Begleiter des ungarischen Freiheitshelden Franz Rakozi bestimmt und dabei lernt ihn der Großwesir Damad Ibrahim Pascha kennen. Auf das Jahr 1719/1720 kann ein Holzschnitt datiert werden, der vermutlich aus seiner Hand stammt. 1720 richtet er eine Denkschrift an den Großwesir, in der er sich über die Vorteile des Druckwesens äußert. Ibrahim bittet um die Ausstellung einer fetwa,
eines Rechtsgutachtens, das Auskunft über die religiöse Zulässigkeit einer Druckereigründung geben soll. Er sichert zu, nur Werke der Philosophie, Astronomie, Medizin, Naturwissenschaften,
Technik, Geographie und Länderkunde, also keine religiösen Texte, zu drucken. Scheich ül-Islam Abdullah Efendi erläßt wunschgemäß ein Rechtsgutachten, in dem erklärt wird, daß seitens des
religiösen rechts keine bedenken gegen die Einrichtung einer Druckerei bestünden. Sultan Ahmed III. Erläßt in der Zeit vom 30. Juni bis 9. Juli 1727 einen auf den Namen Sa’id Efendi und Ibrahim
Müteferriká lautenden ferman, worin die Errichtung einer Druckerei erlaubt wird. Vier Gelehrte werden der Druckerei als Lektoren und Korrektoren zugeteilt. Im Dezember 1727 ist die Druckerei im
Stadtviertel »Sultan Selim« gegründet, zwei Druckpressen sind aus Frankreich importiert worden, die Lettern sind wahrscheinlich in Istanbul geschnitten worden. 1729 erscheint das erste Werk der
Druckerei: Ein Wörterbuch. 1730 erscheint ein erstes Werk in lateinischer Schrift. In allen Büchern steht vermerkt: «Durch die Hand des Armen, der Barmherzigkeit des Allmächtigen Müteferriká des
Hofes, Ibrahim«.
Im Süd-Osten Europas und in westasiatischen Ländern wie die heutige Türkei behinderte andere Schrift und Religion die frühe
Ausbreitung der Buchdruckerkunst. Der Islam stand der Buchdruckerei (und dem Kartoffelanbau) anfänglich ablehnend bis feindlich gegenüber und lehnte die Abkehr von der Handschrift ab – jedenfalls,
soweit es den Koran betraf. Die Zusammensetzung heiliger Worte durch einzelne Buchstaben bedeutete zwangsläufig auch die Zerstörung dieser Worte bei der Ablage der Lettern. Deshalb verboten Sultan
Bayezet II. und seine Nachfolger ihren Glaubensbrüdern unter Androhung der Todesstrafe die Buchdruckerkunst auszuüben.
Andererseits wurde den Juden 1493 von demselben Sultan Bayezit II. erlaubt, im osmanischen Reich Drucke in hebräischer Sprache
herzustellen: Der erste jüdische Drucker war der aus Spanien vertriebene Samuel bin Nahmiyas.
nach oben
Teodosija Sinaitski
1531 wurde die dritte serbische Druckerei im Kloster Rujan im Dorf Vruci gegründet; in dem Kloster lebte der Mönch Theodosije(a), der
1537 das »Jevandjelje« druckte. Das Buch gilt technisch als eines der schwächsten serbischen Bücher, denn die Buchstaben sind unschön und sehr ungleich, sowohl in ihren Formen wie auch in Hinsicht
ihrer Höhen. Aufgrund dieser Erscheinung wird angenommen, daß die Buchstaben für dieses Buch nicht gegossen, sondern aus Holz geschnitzt wurden; die Unterschiedlichkeit der Buchstaben kann daher
herrühren, daß mehrere Personen aus dem Kloster diese Holzbuchstaben hergestellt haben. Die Druckerei wurde wahrscheinlich nicht – wie damals üblich – in Venedig angeschafft, sondern von den
Mönchen des Klosters Rujan selbst hergestellt. Die Druckkenntnisse des Mönches Theodosije hat dieser wahrscheinlich im Kloster Gorazde erlernt. Nach den geschichtlichen Daten ist im Kloster Rujan nur
dieses »Jevandjelje« gedruckt worden.
Johann Peter Zenger 1697-1746
Der aus der Rheinpfalz stammende Johann Peter Zenger kam 1719 nach AmeÂrika und lernte in New York das
Druckereihandwerk. Die Vorfahren waren Adlige waren. Ein Nachkommen dieses Geschlechtes, Graf Zenger von Zangenstein, lebt möglicherweise heute noch in Kirchberg, Gemeinde Hutthurm, bei Passau.
Fehlerfreies Englisch hat dieser Einwanderer nicht mehr gelernt. 1733 startete er mit dem »New York Weekly Journal« als Konkurrenzblatt gegen die regierungstreue (zur englischen Krone) »New York
Gazette«
Zengers »Journal« attackierte in anonymen Artikeln korrupte Politiker, vor allem den New Yorker Gouverneur William Cosby;
dieser konnte lesen, daß er ein Nero sei und von einem Idioten nur graduell zu unterscheiden. Cosby konnte auch nachlesen, daß er sich an Salatöl, an Brandy und anderen Produkten persönlich
bereichert habe. Dem damaligen Brauch entsprechend wurde die Zeitung von Zenger in regelmäßigen Abständen verbrannt – nicht von dem an sich zuständigen Henker, sondern von einem Sklaven, da sich
der New Yorker Magistrat geÂweigert hatte, den etatmäßigen Henker für diese Aufgabe abzustellen.
1734 wird Zenger verhaftet. Mit der Beugungshaft sollte er gezwungen werden, die Namen seiner anonymen Autoren preiszugeben.
Einer seiner Autoren, James Hamilton, hatte besonders »anstößige« Artikel geschrieben, Majestätsbeleidigung (»Je größer die Wahrheit, desto größer die Beleidigung«), was nach engÂlischem
Recht ein Straftatbestand war. Zenger wurde angeklagt, eine »falsche, böswillige, verräterische und anstößige Verunglimpfung« gedruckt zu haben, aber mit der Begründung freigesprochen, wenn eine
Beleidigung falsch sei und sich nicht auf TatÂsachen stützte, dann sei es keine Majestätsbeleidigung. Der Richter folgte dieser Argumentation nicht, wohl aber die Geschworenen, und so kam Zenger frei.
Zenger ist kein sonderlich fähiger Drucker gewesen, zudem ein schlechter Geschäftsmann; er war mehr oder weniger
Spielball einer Gruppe politischer Dissidenten, die gegen die Kolonialbehörden kämpften.
Zengers Freispruch gilt als Anfang der amerikanischen Pressefreiheit. Der Mittelstand und die Handwerker protestierten gegen
die Privilegien der Führungsschicht. Anklagen wegen Majestätsbeleidigung oder Landesverrat stießen nach Zengers Freispruch auf die wachsende Ablehnung der Kolonisten.
|