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Aus: »Archiv für Buchgewerbe«
Fürsten als Buchdrucker und Förderer der Typographie.
Von Bibliothekar Hofrat A. BÖRCKEL in Mainz (in der Mitte des 19.Jahrhunderts)
Wenn es nötig wäre zu beweisen, daß die Typographie eine wahrhaft edle und vorÂnehme Kunst ist, so müßte dazu schon die Tatsache
genügen, daß die Buchdruckerei von einer ganzen Reihe von Fürstlichkeiten erlernt worÂden ist. Waren es doch sogar gekrönte Häupter, darÂunter Kaiser und Könige, welche einst mit dem Winkelhaken in der Hand
oder am Pressebalken sich bemüht haben, den Gedanken Dauer und den Worten Flügel zu verleihen.
Zu den ältesten fürstlichen Typographen zählt der Reichsfürst Nikolaus Radziwill, Herzog von Olyka und Nieswieß, mit dem Beinamen
»Der Schwarze« (1515–1565). Er war zugleich Woiwode von Wilna und Gesandter bei Karl V., ging aber zur reformierten Kirche über und beauftragte eine Gesellschaft von Fachgelehrten mit der Bibelübersetzung.
Nach sechsjähriger Arbeit ward das schwierige Werk vollÂendet und die polnische Übersetzung um 1563 in Brest Litewski auf Kosten und unter eifrigster MitÂarbeit Radziwills gedruckt. Sie heißt daher auch die
»Brester« oder »Radziwillsche Bibel«.
Zwei Jahrzehnte darauf, im Jahre 1582, errichtete der Pommernherzog Bogislaw XIIL (l544–1606) zu Barth eine eigene Druckerei, und
ebenso beschäftigte sich Stephan Bathory von Somlyo, erwählter Fürst von Siebenbürgen, seit 1576 König von Polen (1522–1586), mit der schwarzen Kunst. Ein besonderer Beschützer und Ausüber der Typographie
war HerÂzog Friedrich Wilhelm, I von Sachsen Weimar (1562–1602). Sehr begabt und wißbegierig konnte er bereits im zwölften Lebensjahre die Universität Jena beziehen. Seine Weisheit und Gerechtigkeit
veranlaßten den Kurfürsten Christian 1 von Sachsen ihn kurz vor seinem Tode zum Vormund seiner Kinder und zum Administrator Kursachsens zu bestimmen. Da nun der Administrator hübsche Kenntnisse von der
Buchdruckerkunst besaß, legte er, zur Verbreitung nützlicher und erbaulicher Schriften, in Torgau eine eigene Druckerei an und ließ dazu saubere und scharfe Lettern aus massivem Silber gießen. Dabei nahm er
öfters als Faktor persönlichen Anteil an den Arbeiten, während sein Leibarzt Dr. Rebhold und Magister Johann Wankel (später Professor in Wittenberg) die Korrektur besorgten. Wie viel er übrigens auf letztere
hielt, zeigt ein Erlaß vom 22. Mai 1596 an Universität und Rat in Leipzig, worin der AdminiÂstrator empfiehlt, darüber zu wachen, daß bessere Correctores in den Druckereien gehalten würden und die »gedruckten
Scripta nicht mit so vielerley erratis unter die Leute kämen«.
In der Torgauer Offizin wurde nun, unter MitwirÂkung des Administrators, mit silbernen Lettern die von Wankel besorgte lateinische
Übersetzung von Luthers Hauspostille gedruckt. Ferner erschienen aus der Torgauer Presse: 1594 das »Enchiridion«, eine Erbauungsschrift des Fürsten zum Unterricht seiner beiden Töchter Dorothea Sophia und Anna
Maria, sowie 1596, in prächtigem Druck und mit biblischen Holzschnittvignetten, 383 Quartseiten stark, »Das anÂdächtige Gebet . . « Auch übersetzte der AdminiÂstrator eine Art Sittenspiegel für
Prinzenerzieher und veröffentlichte ihn 1598 zu Torgau unter dem Titel: »Dei Gratia Friderici Wilhelmi Ducis Saxoniae, Tutoris etc. Exercitationes horarum subcisivarum, in duos libros tributae«. Dieses auch als
»Fasciculus historiarum« bekannte Werk eignete er seinen drei fürstlichen Mündeln in Dresden zu, ferner widmete er dem Kurprinzen Christian von Sachsen in einem lateinischen Huldigungsgedicht Wankels
Übersetzung einer spanischen Schrift über Marc Aurel unter dem Titel »Horologium principum, seu de vita M. Aurelii Caesaris« und druckte außerdem noch »sechs Bücher auserlesener Arzney und Kunststücke«.
Königin Isabella L von Spanien (1451-1504) beÂauftragte 1490 vier deutsche Drucker mit der HerausÂgabe eines lateinischen
Wörterbuches und König Manuel L von Portugal (1469–1521) ließ den deutÂschen Buchdrucker Kromberger aus Sevilla 1508 nach Lissabon kommen und ernannte ihn zum »Ritter des königlichen Hauses«, ebenso
verschrieb sich König Karl IX. von Schweden (1550-1611) eine Druckerei mit vielen Zentner Schriften und Pressen und dem nötigen Personal 1593 aus Deutschland. Auch König Friedrich IL von Dänemark (1534-1588>,
ein warmer Freund von Kunst und Wissenschaft, hatte auf seinem
Schlosse eine Privatdruckerei. Eigene PrivatdruckeÂreien besaßen noch: König Gustav Adolph IL von Schweden (1594–l632) zu Stockholm,
in dessen OffiÂzin Schwedisch und Russisch gedruckt wurde; Fürst Ludwig von Anhalt (1579–1650), hier erschienen während des Dreißigjährigen Krieges die Schulbücher des Wolfgang Ratich; Herzog Johann Ernst zu
SachÂsen-Weimar (1594–1626) in seiner Residenz 1625, nachdem er schon 1623 dazu ein Haus gemietet hatte, unter Leitung des Buchdruckers Weischner; und Herzog August von Braunschweig (1622–1731) auf seinem
Schlosse zu Wolfenbüttel. Letzterer gab den Druckern viele Freiheiten und beschenkte sie mit silbernen Knöpfen an den Röcken.
Von Herzog Christian L von Sachsen-Merseburg (1615–1691) und dessen Nachfolger Christian IL (1653–1694) heißt es in Johann David
Werthers »Wahrhafftige Nachrichten der so alt- als berühmten Buchdrucker Kunst« (Frankfurt und Leipzig 1721):
»Es hat aber auch der hochwürdige Administrator Herzog Christian 1. des Stifts Merseburg Anno 1670 aus eigener Fürstl. Bewegniss,
nicht nur eine neue Druckerey durch Caspar Forbergern, der von Geburt ein Naumburger, anschaffen lassen, sondern auch der Buchdrucker-Glantz desto besser erhoben werden möchte Dero Erb-Printz Christian der II. aus
Fürstl. Begierde zu dieser Kunst, Anno 1683, eine besondere, in etlich 20 Centner Schrifften und 2 Pressen beÂstehende sammt aller Zugehör an Messingenen SpinÂdel auch Fundament auch höltzernen Regalen und
Gestellen, kostbare Buch-Druckerey auf dortiger Residentz angerichtet und sich selbsten daran exerÂciret und geübet. Auch nach des Herrn Vaters Hochsel. Ableiben (1691) da Hochberührter Erb-Printz die Regierung
angetreten, er die ihm beliebte Kunst nicht hindangesetzt, sondern zum öfftern, nicht nur in Dero selbst etablirten, auf der Residentz befundenen, sonÂdern auch in der an Christian Gottschicken, nach Forbergers
Tode gekommenen Druckerey mit Dero Fürstl. Händen in Gegenwart einiger Cavalliers und Bedienten an der Presse unterschiedlich mal gedrucket; Wie er dann ein beständiger Liebhaber dieser Kunst bis an seinen
Hochsel. Todt, der Anno 1694 erfolget, geblieben.«
Daß Peter der Große (1672–1724) nicht nur das Zimmermannshandwerk verstand, sondern auch mehr Beziehungen zur Typographie unterhielt,
beweist die seit 1703 in Moskau erschienene Zeitung »Nachrichten über Kriegs- und andere Angelegenheiten«, deren zeitweiliger Redakteur und Korrektor der Selbstherrscher aller Reußen in höchsteigener Person
war. Auch Kaiser Alexander I. von Rußland (1777–1825) interessierte sich für Gutenbergs Kunst und beaufÂtragte bei seiner Anwesenheit in Mannheim 1815 persönlich den dortigen Buchdrucker Johann Georg Schneider
mit der Führung der in St. Petersburg als »Kaiserlich russische Expedition zur Anfertigung von Staatspapieren« bestehenden Druckerei, welche bis 1861 der Oberaufsicht russischer Fürsten unterÂstand; Ebenso
verdient als Freund und Förderer der Typographie aus jüngster Zeit Fürst Nikolaus I. von Montenegro (geb. 1841) Erwähnung, dessen entlegeÂnes Land sich der ersten Staatsdruckerei der Welt rühmen darf; sandte
doch der hohe Dichter der schwarzen Berge einen besonderen Vertreter mit dem »Oktoich« von 1493, einem der ältesten monteÂnegrinischen Kirchendrucke, im Jahre 1900 zur GutenÂbergfeier nach Mainz.
Unter den Ländern Europas, welche fürstliche Buchdrucker aufzuweisen haben, nimmt Frankreich eine hervorragende Stelle ein, zählt es
doch in seiner Königsfamilie mindestens fünf ausübende TypograÂphen und darunter sogar eine Frau. Schon Ludwig XIL (1498-1515) war den Druckern hold und erÂklärte am 9. April 1513 ihre Kunst sei ein Mittel,
gar viele gute und heilsame Lehren zu offenbaren, zu verbreiten und jedem zugänglich zu machen. Franz I. (1494–1547) hatte ebenfalls Interesse für die Druckkunst gezeigt, indem er die Werkstatt von Robert
Etienne in Paris wiederholt besuchte. EinÂmal, als er den berühmten Drucker beim KorrekturÂlesen antraf, verbot er, denselben zu stören, und wartete ruhig, bis Etienne mit der Durchsicht zu Ende war. Ferner
ließ der König auf seine Kosten durch Garamond drei Grade griechische Schrift schneiden. Eigenhändig gedruckt hat Ludwig XIV. (1638–1715) und zwar im Alter von 10 Jahren bei einem Besuche der Königlichen
Druckerei im Louvre. Es war am 18. Juli 1648 und der junge König kam gerade recht, um das erste Blatt des Werkes »Les memoires de messire Philippe de Comines, contenant les histoires des roi Louis Xl. et Charles
VIII. ... par Denys Godefroy« (1649 in Fol.) abziehen zu können. Die Absicht bestand, ihn. das ganze erste Exemplar drucken, oder vielmehr den Pressbengel dabei mitdrehen zu lassen, denn ihm fehlte noch. die
Kraft, welche damals zum Drucken erforderlich war. Obige Begebenheit wird auch durch die Vorrede des angeÂführten Werkes bestätigt, worin es heißt: »Was dürfen wir nicht alles von Eurer Majestät hoffen, die
den Verfasser in Ihrer königlichen Bibliothek des Louvre neu erstehen ließen... und die zu Ihrer Unterhaltung selbst das erste Blatt dieses Druckes abzogen?«
Weiter hat eigenhändig gedruckt Ludwig XV. (1710–1774) wie aus dem 1718 im Palaste der Tuilerien erschienenen Quarthande ersichtlich,
dessen Titel lautet: »Cours des principaux fleuves et rivières de l’Europe composé et imprimé par Louis XV., roy de France et de Navarre. Paris, dans l'imprimerie du cabinet de Sa Majesté.«
Diese Kabinettsdruckerei wurde von Jakob CollomÂbat, dann von dessen Witwe und Sohn, geführt und unterstand der Oberaufsicht des
Herzogs. von Autin. Damals hatten fast alle Mitglieder der französischen Königsfamilie kleine Privatdruckereien in ihren GeÂmächern eingerichtet, so die Herzogin von Bourbon, Tochter Ludwigs XV. im Palais
Bourbon. Im Jahre 1756 druckte die Dauphine von Frankreich, Maria Josepha, Tochter Augusts III. von Sachsen und Polen (1731–1767) und Mutter Ludwigs XVI., im Schlosse zu Versailles unter Leitung Delespines
eigenhändig in Sedez »Elévations de coeur à Jesus-Christ. ImpriÂmé de la main de Mme. la Dauphine«. Der Herzog von Burgund setzte und druckte 1760 zu Versailles unter Vincents Leitung in Duodez: »Prières Ã
l’usage des Enfants de France. Versailles, de l'imprimerie de monseigneur le duc de Bourgogne, dirigée par Vincent.«
Ludwig XVI. (1754–1793) wurde vom 9.–21. März 1766 durch den höchst fruchtbaren und verdienstvollen Schriftsteller und Drucker
Augustin Martin Lottin, den »libraire du Dauphin«, in der Typographie unterrichtet. Kurze Zeit darauf erschien in »Maximes morales et politique de Télémaque imprimées par Louis-Auguste Dauphin. De
l'impriÂmerie de monseigneur le Dauphin.« Ferner druckte der berühmte französische Staatsmann Etienne François Herzog von Choiseul (1719–1785) auf seinem Landsitze zu Chanteloup im Jahre 1778 »Memoires de M.
le duc E. F. de Choiseul, écrits par lui-même« für seine vertrautesten Freunde. Ein Exemplar daÂvon geriet in fremde Hände und wurde 1790 in Paris nachgedruckt.
Die Reihe der englischen Fürstlichkeiten, welche die Typographie kennen lernten und zum Teil selbst ausübten, eröffnet Georg II. von
Großbritannien (1683–1760). Der König wollte mit seiner Gemahlin in den Mechanismus der Kunst eingeweiht sein, es wurde daher, wie das »Gentleman's. Magazine« beÂrichtete »Montag den 15. Februar 1731 im St.
JamesÂpalaste eine Druckerpresse für die Majestäten aufgestellt, um ihnen die edle Kunst des Druckens vorzuführen. Seine Königliche Hoheit der Herzog begab sich an einen Setzerkasten, um für den Druck eine
kleine, von ihm selbst verfaßte Schrift zu setzen unter dem Titel »The Laws of Dodge Hare«. Ebenso setzten die beiden jüngsten Prinzessinnen ihre Namen usw. unter Leitung von Mr. Palmer, »Drucker dieser
Stadt«. Die hier nicht näher bezeichneten Personen waren: der damals zehnjährige Herzog Wilhelm von Cumberland, zweiter Sohn des. Königs, die beiden jüngsten Töchter Georgs II., Prinzessin Maria, spätere
Gemahlin Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Kassel, und Luise, spätere Gemahlin König Friedrichs V. von Dänemark, und deren Lehrmeister, der BuchdruckereiÂbesitzer Samuel Palmer in Bartholomew Close zu London.
Bei demselben Palmer, der auch 1732. eine Geschichte der Druckkunst herausgab, wirkte von Ende 1724 ab ein Jahr lang der amerikanische BürgerÂkönig Benjamin Franklin als Setzer. Eine eigene Privatdruckerei ließ
sich die Königin Charlotte von England, geb. Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744–1818), im Jahre 1812 auf ihrem Landsitze Frogmore Lodge bei Windsor errichten, aus welcher die
»Translations from the German in prose« und »Miscellaneous poems«, eine zweibändige Blumenlese, hervorgegangen sind, und zwar unter E. Hardings Leitung durch Mitglieder der königlichen Familie. Last not the
least hat auch der jetzige König Eduard VII. von England (geb. 1841) einst als Prinz von Wales die Druckkunst erlernt. Zur Erinnerung an diese Lehrzeit gewährte er unÂlängst der englischen Typographischen
Gesellschaft eine namhafte Unterstützung. In London sollen übrigens noch Lithographien existieren, welche den König im Kostüm eines arbeitenden Typographen darstellen. Ein Verwandter des Königs, der hessische
Prinz Ludwig von Rattenberg (geb. 1854), hat angeblich vor nicht langer Zeit ebenfalls sich unter die »SchwarzÂkünstler« begeben und ein Werk seiner Schwester über eine Reise nach Bulgarien gedruckt.
In Italien hatte der kunstliebende Großherzog Leopold II. von Toskana, Erzherzog von Osterreich (l797–1870), im Laboratorium des
Palastes Pitti zu Florenz eine vollständig eingerichtete Druckerei. Unter seiner Mitwirkung wurden hier mehrere geÂmeinnützige Bücher gedruckt, so: »Alessandro Manetti descrizione delle machine. Firenze
1833« in Folio und »Tartini, sul bonilicamento della maremma tosÂcana«. Firenze 1838 in 8o. Kaiser Franz I., Gemahl Maria Theresias, (1708–1765) arbeitete in seinen Musestunden häufig als Typograph
und Kaiserin ElisaÂbeth von Österreich (1837–1898) soll regelmäßig ihre Dichtungen selbst gesetzt und gedruckt haben.
Den Schluß dieser wohl erstmaligen ZusammenÂstellung der Fürsten als Drucker, oder als Förderer der Druckkunst, mögen die beiden
deutschen Kaiser bilden, welche gelernte Buchdrucker waren. Der eine, Kaiser Joseph IL, (1741-1790), hätte als Kronprinz eine kleine, mit allem Zubehör versehene Presse erhalten, die in seinem Kabinette
Aufstellung fand. Zu seinem Lehrer wurde ihm um das Jahr 1755 der bei Hofe beliebte Johann Thomas Trattner bestellt. Trattner, der Sohn eines armen Pulvermüllers, war durch Fleiß und Talent zum angesehensten
Drucker Wiens emporgestiegen, besaß 34 Pressen, zwei Papierfabriken, eine Schriftgießerei, alle Arten von artistischen Anstalten, 23 Bücherlager und Filialen in Agram, Innsbruck, Linz, Pest und Triest. Am
»Graben« erbaute er den schönen Trattnerhof und Kaiser Franz erhob ihn 1764 in den Ritterstand, während ihm Kaiser Leopold II. das ungarische InÂdigenat verlieh. Trattner nun unterrichtete den KronÂprinzen
hauptsächlich im Setzen und sein Druckerfaktor Johann Georg Trassler gab die nötige AnweiÂsung im Drucken. So stellt ein von dem Wiener Maler Leander Ruß (gest. 1864) entworfenes und von dem Xylographen
Friedrich von Exter in Holz geÂschnittenes Bild den Moment dar, wie Joseph II. ein Festgedicht druckte, welches er zum Geburtstag seiner Mutter, der Kaiserin Maria Theresia, selbst verfaßt und in zwei Kolumnen
gesetzt hatte. Zugegen sind dabei noch sein Obersthofmeister Graf Lascy, sowie Trattner und Trassler. Die Presse, welche Kaiser Joseph als Kronprinz benutzt hatte, befand sich 1819 im Palaste des Erzherzogs Johann
von Osterreich. Letzterer übersandte sie damals an den Wiener BuchÂdrucker Anton Strauß nebst einem Schreiben, worin der Erzherzog sagte, »daß diese Presse am füglichsten bei dem Manne aufgestellt sei, der
bereits unter Alberti (= Ignaz Alberti 1789–1794) und Degen (= Joseph Vincenz Degen 1761–1815), in der Folge in seinem eigenen Etablissement, dem ausgedehntesten des ganzen österreichischen Kaiserstaates, die
TypograÂphie wirklich als Kunst betrieben und unverdrossen einer bedeutenden Stufe der Vollkommenheit zugeführt habe«. Von Strauß ging die Presse an den Buchdrucker Leopold Sommer über, und dieser verkaufte sie
mit allen Utensilien, Setzkasten und Lettern im Jahre 1850 um 995 Gulden an die k. k. österreichische Staatsdruckerei in Wien, woselbst sie gegenwärtig noch aufbewahrt und gezeigt wird.
Wie Kaiser Joseph II. lernte auch Kaiser Friedrich III. (1831–1888) als junger Prinz die Typographie, nachdem er bereits in der
Tischlerei und Buchbinderei Unterricht genossen hatte. Und zwar beschäftigte sich der hohe Lehrling nicht nur oberflächlich mit der schwarzen Kunst, sondern sehr eingehend. VerÂanlassung dazu war ein Besuch, den
er im Jahre 1843 mit seiner Mutter, der späteren Kaiserin Augusta, in der Hänelschen Offizin zu Berlin abstattete. In dem neuen Prachtwerke »Kaiser Friedrich der Gütige« von Hermann
Müller-Bohn, herausgegeben von Paul Kittel (Berlin 1900 steht darüber: Dem jungen Prinzen, der schon von Jugend auf für geÂwerbliche Dinge ein offenes Auge hatte, bereitete die Besichtigung der großartigen
Anstalt, die sämtliche Zweige der typographischen Kunst, auch Schriftgießerei und Stempelschneiderei, in sich vereinigte, großes Vergnügen, und mit Spannung folgte er, von dem Chef der Anstalt selbst geleitet,
den einzelnen Vorgängen beim Setzen und Drucken, sein großes Interesse häufig durch Fragen an den Besitzer der Anstalt kundgebend. Dieser faßte im Stillen den Entschluß, dem Prinzen zum nächsten
Weihnachtsfeste eine kleine, aber vollständig zusammengestellte Buchdruckerei~Einrichtung, bestehend aus einer kleiÂnen Handpresse und Typen, die in hübschen EbenÂholzkästchen lagen, zum Geschenk zu machen. Der
Prinz war entzückt über diese seltene Überraschung, und die Prinzessin Augusta ließ einige Tage darauf den Herrn Hänel in das Palais bescheiden und dankte ihm für seine Aufmerksamkeit mit den Worten: »Mit der
kleinen Druckerei haben Sie dem Prinzen eine große Freude bereitet, seine ganze freie Zeit Sitzt er dabei, um es zu einiger Fertigkeit zu bringen. Ich bitte Sie nun, dafür zu sorgen, daß der Prinz deren richtige
Handhabung erlernt.« Es wurde nun sofort damit begonnen. Die Unterweisung im Setzen wurde dem Setzerlehrling Geldmacher aus Magdeburg überÂtragen, während Herr Hänel, der Besitzer der Anstalt, dem Prinzen in
der Handhabung der Druckerpresse selbst Unterricht gab. In Bezug auf diese seine LehrÂzeit als Setzer und Buchdrucker hat der spätere Kronprinz gelegentlich sich geäußert; so 1883 bei einer typographischen
Ausstellung, wobei er den Vorsteher der Ausstellungsgruppe für Buchdruckerei-Arbeiten,
Herrn Grunert, fragte, ob er wohl wisse, daß auch er Buchdrucker sei. Auf die bejahende Antwort erÂkundigte sich der Kronprinz, woher
er diese KenntÂnis habe, worauf Grunert antwortete: »Ich habe in derselben Anstalt, wo Eure Kaiserliche Hoheit AnÂleitung erhielten, zwei Jahre lang als Gehilfe gearÂbeitet.« «Wissen Sie,« sagte der
Kronprinz, »damals hatte die Buchdruckerkunst wenig Hilfsmittel, einige kleinere oder größere Einfassungen auf Cicero, einige Zierlinien, gar kein Vergleich gegen jetzt, – großÂartiger Fortschritt!«
So wirkten einst ein edler Habsburger und ein edler Hohenzoller in jungen Jahren als Buchdrucker, und wahrlich, bessere »Kollegen« als
Kaiser Joseph den Menschenfreund und Kaiser Friedrich den Gütigen dürften die Jünger Gutenbergs niemals beÂsessen haben.
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Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt die
o.g. Förderer der Druckkunst – soweit auf einer Briefmarke abgebildet – auf dieser website zeigen und dazu noch eine ganze Menge anderer, von denen Hofrat Börckel nicht berichtet.
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